Von Wegen Lisbeth | Support: The Screenshots
Juicy Beats Festival veranstaltet

Von Wegen Lisbeth | Support: The Screenshots | 17.07.2021 Musik | Indie, Pop Start: 20:00Uhr | Einlass: 18:30Uhr

Würden Von Wegen Lisbeth die Musikkarriere an den Nagel hängen und stattdessen eine Talkshow moderieren (sonntags zur besten Sendezeit, wenn sich Deutschlands erhitzte Gemüter noch über den Tatort echauffieren), man dürfte sich wohl über folgende Themen freuen: Muss man dem Lieferdienst Trinkgeld geben, obwohl die Pizza ohnehin schon unmenschlich teuer ist? Warum wurde für meine Wohnung schon wieder die Miete erhöht, muss ich jetzt etwa im Coworkingspace übernachten? Und fehlt dem RTL-Dschungelcamp nur noch die Schwarz-Weiß-Optik, um in Neuköllner Studentenkneipen als Klassiker diskutiert zu werden? Es sind die kleinen, alltäglichen Belanglosigkeiten, die oftmals so viel mehr über eine Gesellschaft aussagen als die vermeintlich großen politischen Themen und Von Wegen Lisbeth zeichnen in ihren Texten nach wie vor ein pointierteres Bild unserer Zeit als uns wohl manchmal lieb ist - als hätte man mit dem Skalpell einen präzisen Schnitt von Berlin bis Annaberg-Buchholz gezogen. Mit beißender Ironie singen die Berliner über die großen philosophischen Fragen unserer Zeit: Geh ich zur Demonstration oder schau’ ich noch eine Youtube-Compilation? Wann lern’ ich endlich aus meinen Fehlern? Und swipe' ich lieber nach links oder nach rechts?

Um den sperrigen Bandnamen ranken sich unzählige Gründungsmythen - bestätigt werden konnte bisher keiner, nur eins gilt als wissenschaftlich bewiesen: Nach tausenden Elevator-Pitches und jahrelanger Marktanalyse erklärten Versuchspersonen, denen man „Von Wegen Lisbeth“ ins Ohr flüsterte, durchschnittlich mehr Appetit auf Schokopudding zu verspüren.

Wenn meine neue App Recht hat, rauch ich heut’ zehn Kippen weniger / da spar’ ich zwei Euro dreißig, da krieg’ ich vier Bier bei Edeka / es wird sich einiges ändern, der Döner ist jetzt n’ Friseursalon / und du weißt nichts davon.

Noch in ihrer gemeinsamen Schulzeit fanden sich die fünf Berliner Matze (Gitarre/Gesang), Doz (Gitarre), Julian (Bass), Robert (Synthie) und Julian (Schlagzeug) zusammen, spielten (damals noch unter anderem Namen) von Punk über Ska bis hin zu 8-Bit-Gameboy-Musik alles was nicht richtig in ein Genre passte und würzten das Ganze mit einer skurrilen Instrumentierung, so etwa einem Omnichord, einem sogenannten Regenbogenachttästler, verfeinert mit einem kräftigen Schuss Maggi. Seitdem hat sich für Von Wegen Lisbeth so ziemlich alles geändert und trotzdem ist eigentlich alles geblieben, wie es immer schon war: Ihre Musik lässt sich noch immer in kein Raster pressen und mit keiner anderen Band so wirklich vergleichen. Wer dem Ganzen unbedingt einen Stempel verpassen will, der einigt sich am besten auf den Begriff „Indie-Pop“ - ganz einfach weil sich dahinter alles verbergen kann.

Einst begleiteten Von Wegen Lisbeth die Kölner von AnnenMayKantereit als Supportband oder spielten im Vorprogramm von bereits etablierten Bands wie Sven Regeners Element of Crime, bis dann plötzlich alles riesengroß wurde: 2016 ging die Band mit ihrem Debütalbum GRANDE auf eigene Tour quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, belagerte in den folgenden Jahren so ziemlich jede verfügbare Festivalbühne und erspielte sich dabei schnell eine beträchtliche Fangemeinde.

Warum war früher alles schöner / warum macht ihr Mayonnaise in den Döner / und warum ist die AfD immer noch da / obwohl ich heut’ beim Yoga war?

Nachdem der Kater des ersten Albums endlich ausgeschwitzt war und sowohl Fans als auch das Label den fünf Jungs durch freundliche aber bestimmte Gewaltandrohung bedeuteten, dass nach Album Nummer eins normalerweise Nummer zwei folgt, schlossen sich Von Wegen Lisbeth monatelang im versteckten Keller eines mysteriösen, chinesischen Fast-Food-Restaurants ein, stellten die Sonnenbank auf Stufe drei und spielten sämtliche Staffeln Game of Thrones rückwärts ab. Denn nur in dieser einzigartigen Atmosphäre konnte wachsen und gedeihen, was im Mai 2019 schließlich das Licht der Welt erblickte: Das zweite Album sweetlilly93@hotmail.com.

Entgegen des allgemeinen Gesetzes der Popkultur, Paragraph 1, nach dem zweite Teile mit einer Wahrscheinlichkeit von 82% zum Flop werden, legte die Band mit der dreizehn Songs starken Platte textlich und musikalisch noch mal einen drauf, erntete dafür zurecht positive Kritik und rückt seitdem auf Festivalpostern konstant Zeile für Zeile nach oben (noch vier Schriftgrößen bis Miley Cyrus).

Nach zwei ausverkauften Album-Release-Shows in der Berliner Columbiahalle und einem langen Festivalsommer folgte im Herbst 2019 die große Britz-California-Tour. Und obwohl die Band schon lange kein Geheimtipp mehr ist und sich mittlerweile fest in der deutschen Musikszene etabliert hat, wirken Von Wegen Lisbeth noch immer angenehm sperrig und provokant. War man sich doch eigentlich einig, dass diese Art von Musik niemals massentauglich werden könnte, so ist sie es wohl irgendwie immer noch nicht, hat dafür aber ganz schön viele Fans.

Von Wegen Lisbeth in ausverkauften Hallen - ist das jetzt noch Indie und wie heißt hier überhaupt das WLAN?!

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Man kann Dax Werner, Kurt Prödel und Susi Bumms nur gratulieren. Warum? Weil dem Trio mit seiner Band The Screenshots ein beeindruckendes Kunststück gelungen ist. Bis zu ihrem erstmaligen Erscheinen auf der Bildfläche vor gut zwei Jahren war die Sache im Grunde ja vollkommen klar. Mag die Welt auch jeden Tag aufs Neue über diese oder jene Uneinigkeit aus den Fugen geraten, herrschte doch – zumindest im Kosmos Pop – die stillschweigende Übereinkunft: Musik, die auf dem Zusammenspiel aus Gesang, Gitarre, Geklöppel und ein bisschen Bass im Unterbau basiert, ist durch. Die Beatles, Radiohead und U2 – nur noch Fußnoten der Pop-Geschichte, aus der Zeit gefallene Nischenmusik für Nostalgiker*Innen.

Aber dann waren da auf einmal The Screenshots und veröffentlichten mit den EPs „Ein starkes Team“ und „Übergriff“ sowie der anschließenden „Europa“-LP, die, man muss es so sagen, einfachste und gleichzeitig doch ehrlichste Rockmusik seit Jahren. Trotz Newcomerstatus marschierte das Trio mal eben so durch jedwedes Fachpresseerzeugnis sowie dessen Online-Outlet und das gesamte Feuilleton. „Diskurspop auf der Höhe der Zeit“, schrieb Die Zeit, „aufregendster deutschsprachiger Gitarrenrock der Stunde“ der Rolling Stone.

Durchaus bemerkenswert für eine Band, deren Mitglieder bis dahin weniger durch ihr musikalisches Talent als vielmehr in Form von drei anonymen Einzelavataren beim Kurznachrichtendienst Twitter in Erscheinung getreten waren, die ihre jeweilige Timeline auf ganz unterschiedlich geartete Weisen mit geistreichen bis genialen Pointen von bis zu 280 Zeichen Länge bespielten. Mit dem Song „Wir lieben uns und bauen uns ein Haus“ samt Video beendete die Band im Herbst 2019 schließlich das Rätselraten um ihre Identitäten und zeigte sich zum ersten Mal vor der Kamera.

„2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee“ ist nun das zweite Album dieser ganz besonderen Band. So schön und souverän sind die elf Stücke, die Dax Werner, Kurt Prödel und Susi Bumms für diese Platte zusammengetragen haben – und 2021 bringt die Band sie mit auf „Glaub an deine Träume“-Tour.
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